LD Didactic-Gruppe: Ein Phoenix aus der Insolvenzasche
Die Zeichen für LD Didactic standen im Spätherbst des Krisenjahres 2008 denkbar schlecht. Das Unternehmen hatte Insolvenz anmelden müssen. Der Insolvenzverwalter suchte über Monate Investoren oder Banken, die bereit waren, die Liquiditätsprobleme des Herstellers von Lehrmitteln zu lösen.
Weitere Kredite waren in dem katastrophalen Umfeld nach dem spektakulären
Bankrott der US-Investmentbank Lehman Brothers jedoch so gut wie nicht mehr
erhältlich. Ein interessierter Investor ließ kurz vor Weihnachten den Notarvertrag für eine Übernahme
platzen.
Buchstäblich in allerletzter Sekunde entschloss sich AURELIUS zur Investition und übernahm
Ende Januar 2009, rückwirkend zum Jahresbeginn, den operativen Geschäftsbetrieb der
LD Didactic-Gruppe, bestehend aus der Lehrmittel- und der Mobiliarsparte inklusive deren
Untergesellschaften aus der Insolvenz.
„Wären die Verträge mit AURELIUS nicht geschlossen worden, hätte ich den Betrieb schließen müssen, da keine liquiden Mittel für die Zahlung der anstehenden Gehälter mehr vorhanden waren", berichtet Insolvenzverwalter Dr. Jörg Nerlich. Für LD Didactic bedeutete der Einstieg von AURELIUS die Chance, sich von Altlasten zu befreien und Managementfehler aus der Vergangenheit auszubügeln, denn das Unternehmen war überwiegend unverschuldet in die Insolvenz geraten.
Einst gehörte LD Didactic als Unternehmensteil zur Leybold-Gruppe, war aber bereits im Jahr 2000 mitsamt hohen Pensionslasten aus den 60er und 70er Jahren sowie überteuerten und langfristigen Mietverträgen am Stammsitz aus dem Konzern herausgelöst und verkauft worden, eine Bürde, die der Hersteller von Lehrmitteln für Schule und Beruf, der auf eine über 150 Jahre lange Geschichte zurückblicken kann, nicht mehr abschütteln konnte. Dabei verfügte LD Didactic schon immer über eine starke Marktposition, einen hohen Bekanntheitswert sowie ein breites und sehr gutes Produktportfolio.
Der Gründer und Erfinder
Ernst Leybold hatte neben der bedeutenden Erfindung der Vakuumpumpe als Erster bereits
Mitte des 19. Jahrhunderts physikalische Lehrinstrumente entwickelt und verbreitet. Das
Unternehmen bietet heute Komplettlösungen für die Allgemeinbildung im naturwissenschaftlichen
Bereich sowie für die Ausbildung in Technik und Naturwissenschaften. Eine
Kombination der Fachgebiete Chemie, Biologie, Physik und Technik bietet für die Kunden –
Lehrinstitute, Schulen und Universitäten – vollständige Lösungen für jede Ausbildungssituation
im Grundlagen- und Anwendungsbereich.
Der Exportanteil liegt bei über 50 Prozent, LD Didactic-Produkte und -Systeme werden in alle Kontinente exportiert. Um die Altlasten besser schultern zu können, wählte das alte Management eine immer stärkere Diversifikation der Produkte. Die Geräte, Versuchsanordnungen, Einrichtungen in Schulen, Lehrsysteme und vieles mehr wurden so nicht nur komplexer, sondern vor allem immer zahlloser. Hinzu kam der kostspielige Aufbau des neuen Standorts in Nörten Hardenberg mit einer neuen Sparte Mobiliar, was mehrere Millionen Euro an Aufbaukosten und operativen Verlusten verschlang. Produktionsstückkosten, Lagerhaltung, Distribution und Marketing wurden daher immer unwirtschaftlicher. Das neue AURELIUS Management musste angesichts dieser desaströsen Lage in kurzer Zeit ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm umsetzen, um die Abläufe, die Produktion, die Lagerhaltung sowie den gesamten Produktionsablauf zu vereinfachen und erheblich kostengünstiger zu gestalten.
Das viel zu große Produktportfolio mit mehr als 15.000 verschiedenen Produkten
wurde unmittelbar um 30 Prozent reduziert. Ineffiziente Planungssysteme und mangelndes
Kostenmanagement, die zu Produktionsrückständen sowie einem ausufernden Produktportfolio
führten und in Folge einen stark negativen Cashflow verursachten, wurden konsequent
korrigiert. Die Mobiliarsparte samt Standort wurde geschlossen.
Ein leistungsfähiges Controlling- und Kennzahlensystem sicherte nach kurzer Zeit die
Transparenz und den Überblick über alle Unternehmensbereiche.
In diesem Zusammenhang wurden auch an den Standorten der LD Didactic, in Hürth (Nordrhein-Westfalen) und Urbach (Thüringen) moderne ERP-Systeme eingeführt. Fertigungskapazitäten und Logistikdienstleitungen wurden an externe Vertragspartner vergeben, um die eigene Wertschöpfungstiefe zu verschlanken. Zur Intensivierung des Vertriebs wurden 18.000 neue Kataloge an alle deutschen Schulen und Hochschulen verschickt sowie ein neuer Online Shop gelauncht. Um parallel die laufende Produktion zu sichern, wurde seitens AURELIUS erhebliche Liquidität zur Verfügung gestellt. Die Maßnahmen griffen unmittelbar. Die Umsatzentwicklung stabilisierte sich.
Die Nachfrage nach Produkten von LD Didactic nimmt in den meisten der 80 Länder, in die exportiert wird sogar weiter zu, da die meisten Regierungen weltweit die Konjunktur auch mit Investitionen in die Bildungssysteme und in mehr Aus- und Fortbildung stärken wollen. Von den ursprünglich fast 280 Arbeitsplätzen konnten ca. 140 gerettet werden. Die aktuell gute Entwicklung lässt das Erreichen des Break Even für das Gesamtjahr 2010 erwarten. In den ersten Monaten 2010 hat das Unternehmen bereits den Turnaround geschafft und eine fast zweistellige Umsatzrendite erwirtschaftet.
Dass eine Insolvenz nicht immer das Ende eines Unternehmens bedeuten muss, dafür gibt die LD Didactic-Gruppe ein besonders positives Beispiel, vor allem wenn ein sehr unternehmerisch denkender Investor bereit ist, eigenes unternehmerisches Risiko einzugehen. Der Insolvenzverwalter der LD Didactic-Gruppe freut sich vor allem für die Mitarbeiter des Unternehmens: „LD Didactic ist ein führender Komplettanbieter in einem interessanten Nischenmarkt. Die Übernahme durch AURELIUS hat den rund 140 Angestellten, die mit den Geschäftsbereichen verbunden sind, wieder die Chance auf eine Erfolg versprechende Zukunft gegeben.“







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